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ORTO (or) weknowitsallornothing
Das große Ganze
Ein Gesicht erscheint auf der Leinwand. Langsam zoomt sich die Kamera heraus. Es wird klar: Dieses Foto ist nur eines aus einer großen Collage von vielen, die aus der Ferne die Figur eines Knettieres erkennen lässt. Doch auch dieses Bild des Tieres ist nur ein winziger Teil einer neuen Collage, die in die Figur eines anderen Tieres mündet. In ähnlicher Weise arbeitet das Stück „ORTO (or) weknowitsallornothing“ des „Coletivo Improviso“ aus Rio de Janeiro.
Die Bühne könnte ein Loftbüro von Künstlern sein, die sich, das Theater, die Anderen, das Leben in diesen Raum fantasieren. Sie erzählen uns Geschichten: mit Händen, mit den Füßen, mit den Augen, mit dem ganzen Körper. Doch es sind stets nur mögliche Geschichten. Sie könnten auch anders anfangen, anders weiter gehen, anders enden. Denn so ist das Leben: Ein Netz aus wahrscheinlichen oder unwahrscheinlichen, zufälligen Ereignissen, die sich ineinander fügen und deren Kette die Entscheidung jedes Einzelnen verändern kann.
Die acht Künstler des Kollektivs um die beiden Performer Enrique Diaz und Cristina Moura zeigen hochkomplexes Theater, das einen Spannungs-Sog entwickelt, obwohl es sich scheinbar jeder Stringenz entzieht. Es wird zu einem großen wunderschönen, energiegeladenen Bilderzyklus über das Leben. Die Wörter des Titels ergeben erst einen Sinn, wenn die Trennungen zwischen ihnen mitgedacht werden. So ist es auch mit dem Verstehenwollen der Zusammenhänge des Daseins: Erst bei der genauen Betrachtung der Einzelheiten, der einzelnen Menschen und ihrer Geschichten können Rückschlüsse auf größere Zusammenhänge gezogen werden.
Birgit Schmalmack vom 4.2.11
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