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Nomade
Die Geräusche aus den Lautsprechern lassen es vernehmen: Der weiße, bunt beleuchtete Fläche ist Teil eines Flughafens. Vier Frauen mit Rollkoffern durchqueren den Raum. Moderne Nomadinnen sind sie. Auf der Suche nach Ungewohnten, Neuem, Fremden, nach Erlebnissen, Erfahrungen und Freiheit. Schnell sind ihre Bewegungen. Hektisch rasen sie aneinander vorbei, jeder mit ihrem eigenen Ziel vor Augen.
Dann beginnt ihr Flug ins Ungewisse. Sie kommen an in einem neuen Raum, den sie erst erkunden müssen. Auf dem unbekannten Terrain werden die Beziehungen wichtiger. Suchend, tastend werden ihre Blicke und Bewegungen. Langsam lassen sie sich ein auf etwas Unbekanntes. Sie finden zu einem vorsichtigen, achtsamen Miteinander. In immer neuen Formationen heben, tragen sie sich und rollen sich aufeinander ab. Zeit scheint plötzlich von den Gefühlen und Inspirationen bestimmt zu sein und nicht mehr von der Uhr. Gegenseitig malen sie sich einen sichtbaren Streifen der Veränderung auf ihre Körper.
Doch dann ist der Ausflug ins Fremde vorbei: Ihr Flieger bringt sie zurück in den Alltag. Wie ihre dazu gehörige Kleidung streifen sie sich ihre Alltagsgebahren wieder über. Nur eine der Frauen hängt auch nach der Landung ihren Träumen minutenlang hinterher. Was ließe sich hinüber retten von den erfüllenden Erlebnissen in ihr gewohntes Leben?
Diese Frage stellt unter anderem Elizabeth Ladrón de Guevara in ihrer neuen Choreographie „Nomade“. Ließe sich die Sinnlichkeit und Schönheit auch in das normale Leben einbringen? Sie zeigt mit ihren drei Tänzerinnen wunderschöne Bilder, die die Sinne der Zuschauer ansprechen und eine Hoffnung darauf wecken.
Birgit Schmalmack vom 10.11.08