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Mozart meets Brecht
Erst kommt das Fressen und dann die Moral
Auf der Bühne sind goldene riesige Mozartkugeln verteilt. Gerade hat die Sängerin im eleganten Rokokokleid räkelnd vor der weißen halbhohen Wand ihre Arie geträllert, da werden die weißen Platten rüde umgestoßen. Vier Gesellen in Unterhemd, Hosenträgern und ausgeleierten Hosen schmettern ihr entgegen: „Erst kommt das Fressen und dann die Moral!“ und reißen sie ihr konsequenter weise die Mozartkugel aus den Händen.
So kann es zugehen, wenn Mozart auf Brecht trifft. Auch der Komponist, der 200 Jahre vor dem Autor starb, hielt es nicht so sehr mit der Moral, aber aus ganz anderen Gründen. Ihm ging es dabei höchstens um seine eigene Geldnot, zu deren Aufbesserung er gerne die eine oder andere Auftragsarbeit verfasste. Wenn er sich in seinen Stücken mit der Überschreitung der moralischen Grenzen beschäftigte, dann um der Lust zu frönen, die sich zwischen den Geschlechtern einstellt.
Regisseur Professor Florian-Malte Leibrecht wollte am Jungen Musikforum neue Begegnungen in der Musikszene ermöglichen. So brachte er die beiden Schwaben, Mozart und Brecht, zusammen. Aus dem gedanklichen Experiment wurde eine effektreiche Nummernrevue, die nach der Pause noch an interessanten Regieansätzen zulegen konnte. Gerne würde man Leibrecht zuschauen, wenn er sich einem Werk von Mozart oder Brecht in Gänze widmet. An Ideen mangelt es ihm wahrlich nicht; vielleicht reichte ihm deswegen ein einziges Stück alleine nicht aus.
Birgit Schmalmack vom 20.6.06
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